Mit dem Reisemobil nach Polen? Wirklich? Polen???

Im WDR stand die Sendung "Wunderschön- mit dem Reisemobil nach Krakau" im Programm, die überzeugte. Zwischenziele waren die Rosenstadt Sangerhausen und das wunderschöne Elbflorenz Dresden, dem wir jedoch einen eigenen Bericht widmen werden. Auf unserem Weg nach Görlitz, der Grenzstadt zu Polen, überquerten wir mehrfach die Spree, folgten der Neiße durch die Lausitz bis wir auf dem Stellplatz Rosenhof in Görlitz ankamen.  Die Lage ist sehr schön, die Infrastruktur könnte besser sein, aber es ist nah bei der Straßenbahn und somit ist man schnell in der schönen Altstadt.

Görlitz ist eine Stadt mit tausend Geheimnissen. Es scheint als erzähle jedes Gebäude eine Geschichte. Ein Spaziergang gleicht einer Zeitreise, schließlich gibt es Geschichten aus neun Jahrhunderten zu erkunden. Wir folgten der Stadtführerin durch die östlichste Stadt Deutschlands, die über 4000 denkmalgeschützte Gebäude verfügt. Den historischen Glanz verdankt Görlitz seiner Lage an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen. Viele Häuser verfügen über italienisch anmutende Arkadengänge, traumhafte Innenhöfe und filigran gearbeitete Spindeltreppen. Wir machten uns auf, die 1000 Geheimnisse zu entdecken und können einen Besuch nur empfehlen.

...Auf geht's nach Polen. Kurt hatte die Adresse ausfindig gemacht, wo wir die Mautbox kaufen konnten: ( https://www.viatoll.pl/de/hauptseite )Unser Reisemobil ist für 5,5 t zugelassen, wir wollten kein Risiko eingehen. Der Kauf lief problemlos, er installierte die freigeschaltete Box, los gings.... Die Straße nach Piechowice führt durch die wunderschöne Landschaft, die von der Isar, dem Grenzfluss zur Tschechei geprägt wird. Die Glashütte Huta Julia in Piechowice ließen wir links liegen, da wir schon etliche Glasbläsereien besichtigten. Irgendwie reizte es uns doch in die Berge des sagenumwobenen Rübezahls zu fahren...Karpacz, der höchste Gebirgszug der Sudeten im Riesengebirge, erinnert an schweizerische Alpendörfer. Leider lag alles in schaurigem Nebel, es war Hochsaison und viele Familien in Regenkleidung unterwegs. Tourismus pur.

Unser Ziel war der Auto Camping Park in Jelenia Gora. Die Innenstadt von „Hirschberg“, wie es früher hieß, ist in 10 Minuten zu Fuß erreichbar. Seit dem 17. Jh. war das Hirschberger Tal Zentrum der Leinenproduktion, besonders feine Schleier wurden hergestellt. 1658 erfolgte die Gründung einer Kaufmannssozietät, die das Monopol auf den Leinenhandel hatte und die Qualitäten kontrollierten. Die Handelsherren ließen aufwändige Handelshäuser errichten und erwarben auch Landgüter in der Umgebung. Der Marktplatz rund ums Rathaus wird flankiert von diesen stolzen, restaurierten Kaufmannshäusern. Die Rundbogengänge erinnerten uns an italienische Marktplätze.

Das Hirschberger Tal zählt zu den schlösserreichsten Regionen Europas. Die niederschlesischen Burgen und Schlösser stammen aus dem Mittelalter und thronen nicht selten auf hohem schwer zugänglichem Felsen. Diese gotischen Festen verwandelten sich später in fürstliche Residenzen der preußischen Adelshäuser. Manche von Ihnen sind als Ruinen eine Touristenattraktion, andere sorgfältig restaurierte Museen, Restaurants und Hotels. Wir starteten zu einer Fahrradtour durch das "Caspar-David-Friedrich-Land" zum  Schloss Lomnitz..

Schon seit dem Mittelalter gab es an der Überfahrten über den Bober eine " Talburg", auf deren Fundamenten später das barocke Schloss Lomnitz entstand. Kaum vorzustellen, was sich im Laufe der Jahrhunderte hinter den mächtigen Mauern dieses alten Herrenhauses ereignet hat. Als erster Besitzer im 15/16. Jahrhundert ist das schlesische Adelsgeschlecht der Ritter von Zedlitz genannt. Der preußische Gesandte am sizilianischen Hofe, Carl Gustav Ernst von Küster erwarb 1835 das Rittergut,  baute das Schloss im klassizistischen Stil um und ließ den Landschaftspark anlegen. Die Familie lebte bis zum Kriegsende 1945 in Lomnitz. Mit der politischen Wende 1989 kam gerade noch rechtzeitig die Rettung. Im Jahr 1991 kaufte die Familie von Küster zuerst die Schlossruine, später das Kleine Schloss, den Park, und den Hof vom polnischen Staat zurück. Die positive Entwicklung, die dann einsetzte mutet rückblickend fast schon wie ein kleines Wunder an. Die Schlösser erstrahlen wieder in voller Schönheit und der romantische englische Landschaftspark verzaubert seine Besucher.  

Wir entdeckten die liebevoll renovierten Räume im großen Schloss, schlenderten durch die Parkanlagen und können einen Besuch und das gute Essen im Restaurant absolut empfehlen.

Ein lohnenswertes Ziel und die muntere Schloss Herrin, Elisabeth von Küster, die uns mit Reiterstiefeln im Foyer begegnete hat so viele kreative Ideen auf Lager. Zur Zeit wird nebenan ein Gebetshaus originalgetreu aufgebaut und ab 2019 gibt es eine multimediale Ausstellung zum Thema " Drei Jahrhunderte leben auf Schloss Lomnitz"

www.talderschloesser.de/drei-jahrhunderte-leben-auf-schloss-lomnitz/

Wir verließen das traumhafte Hirschberger Tal, allerdings nicht ohne einen weiteren Schlösser-Stop, direkt neben Schloss Lomnitz. In direkter Nachbarschaft liegt das Schloss Wojanow, ein wunderschön renovierter Schlosspark in dem sich ein Hotelkomplex befindet.

Nach kurzem Besichtigungsgang fuhren wir mit dem Reisemobil zum Hauptziel des Tages:

Schloss Fürstenstein in Walbrzych-  und das birgt große Geheimnisse.

Wir hatten das Glück an einer deutschen Führung teilzunehmen, da sich ein Reisebus angemeldet hatte.  Empfehlenswert ist eine frühzeitige Anmeldung, denn es gibt verschiedene Führungen mit unterschiedlicher Dauer, allerdings nicht häufig in deutscher Sprache. 

Das Schloss ist das drittgrößte Schloss in Polen. Es ist ein majestätischer Bau, der durch seine monumentale Größe, mannigfaltige Architektur und märchenhafte Lage im Herzen des Landschaftsschutzparks Fürstenstein beeindruckt. Es wurde im 13. Jahrhundert errichtet,  danach immer wieder aus-und umgebaut. Den größten Einfluss auf sein heutiges Erscheinungsbild hatte die Familie Hochberg. Mehr als 4 Jahrhunderte gehörte das Schloss den Hochbergs,  bis es vom 3.Reich konfisziert wurde. Unter der hochbergschen Herrschaft erlebte das Schloss den Wandel von der Burg bis zu einer der schönsten Residenzen in diesem Teil Europas. Im 18. Jh.  entstand während des barocken Umbaus die Vorderseite samt dem schönsten Saal, dem reichverzierten Maximilianssaal.

Die ungünstigen politischen Umstände wie der 1. Weltkrieg, die Wirtschaftskrise,  als auch die persönlichen Probleme der Hochbergs haben die Vollendung des Umbaus nicht möglich gemacht und trugen zum finanziellen Fall der Familie bei. Die Hochbergs mussten das Schloss verlassen, es wurde zum Kriegsquartier, ein Teil drastisch vernichtet und die Ausstattung geplündert. Erst in den 50ern wurde es von der Woiwodschen Denkmalpflege in Schutz genommen und in den 70ern mit den Renovierungsarbeiten begonnen.

Das Schloss birgt viele Geheimnisse. Als 1942 die Luftangriffe der Alliierten eskalieren, beschloss Hitler ein neues Hauptquartier für sich zu bauen.                                                     Die Wahl fiel auf Niederschlesien, das lange als sichere Region galt. Außer dem befanden sich hier zahlreiche Werke, die für die deutsche Industrie wichtig waren. Diese Faktoren entschieden darüber, dass hier das Projekt riesiger Bunker und unterirdischer Bauten entstand, man sagt, dass hier der "Gold-Zug Hitlers" starten sollte....

Heute birgt das Schloss Erinnerungen an Menschen, Ereignissen, Orte, die in Überlieferungen und Legenden erhalten blieben. Die Geschichte Fürstensteins ist außergewöhnlich, manchmal wunderbar und begeisternd, leider nicht selten auch tragisch und nachdenklich, es lohnt sich bei der Besichtigung zuzuhören.

Wirklich sehenswert und noch so viele unentdeckte Geheimnisse, da sollten wir noch mal Wiederkommen! 

Beeindruckt fuhren wir weiter. Das nächste UNESCO-Weltkulturerbe war unser Ziel, die Friedenskirche in Swidnica. 

Als Friedenskirchen bezeichnet man die einzigen evangelischen Kirchen, die im Westfälischen Frieden von 1648 nach der Re-Katholisierung Schlesiens auf Drängen der schwedischen Regierung vom Habsburgischen Kaiser Ferdinand III. den protestantischen Schlesiern  zugestanden wurden.

Steine und Ziegel waren als Baumaterialien verboten, nur Holz, Lehm und Stroh durften verwendet werden. Es durften keine Türme auf der Kirche verbaut werden. Als Standorte kamen nur Plätze außerhalb der Stadtmauern in Frage. Die Bauzeit durfte ein Jahr nicht überschreiten und die Baukosten hatte die Gemeinde zu tragen.

Die von schlesischen Protestanten in der Mitte des 17.Jh. erbauten Friedenskirchen in Swidnica und Jawor sind Fachwerkbauten ohnegleichen in der Welt. Beide Gotteshäuser befinden sich in der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.                                                                                                                        Das Gotteshaus in Swidnica bietet 7500 Personen Platz. Reiche barocke Ausstattung-Wandmalereien aus dem 18. JH. veranschaulichen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Die Kassettendecke ist aus Holz.

Wieder ein absolut sehenswertes Ziel, wunderschön und beeindruckend, was die Menschen erschaffen haben. 

Am späten Nachmittag erreichten wir den Campingplatz in Swidnica und standen sehr schön zwischen Hecken, Sträuchern und Obstbäumen. Am nächsten Morgen radelten wir ins nahe Städtchen, fuhren mit dem Aufzug hoch in den Rathaus-Turm und bestaunten das schöne, ehemalige Kaufmannsstädtchen von oben. Es ist ein schmuckes, sauberes Städtchen, das früher von Deutschen bewohnt war, die jedoch alle vertrieben wurden.

Jeder Tag auf dieser Reise brachte ein neues Highlight. Nächstes Ziel war in Breslau der Stellplatz( ul. Purkyniego) beim „Panorama von Raclavice“, einer Rundumansicht der Schlacht von 1794 bei der die Polen die Russen besiegt haben.   

Der Fahrer eines kleinen Elektrotaxis lud uns ein zu einer Stadtrundfahrt.

Direkt auf der anderen Straßenseite liegt eine Festung von der aus man einen schönen Blick auf die Dominsel. Auf der Dominsel befindet sich ein sakrales Bauensemble mit dem gotischen Johannes-Dom.

Vorbei am Denkmal des Papstes Johannes Paul II und einem mit Schlösser behangen Brücken Geländer fuhren wir Richtung Altstadt und wir entdeckten den Ersten :Papa Krasnal, der Urvater der Breslauer Zwerge.....

Die politische Oppositionsbewegung „Orange Alternative“ hatte in den 1980 er Jahren mit spontanen Aktionen Kritik am kommunistischem Regime geübt und einen gusseisernen Zwerg in der Breslauer Altstadt aufgestellt. Im Sommer 2001 tauchten die ersten Zwerge als Projekt von Studenten der Kunsthochschule auf. Im August 2018 waren es bereits über 600 Zwerge die die Breslauer Straßen bevölkern…

Das Herzstück Breslaus ist der Marktplatz aus dem 13. JH. gesäumt von Bürgerhäusern.

Das Rathaus im Stil der Gotik und Renaissance beherbergt das Stadtmuseum. Die Universität befindet sich im größten Barockgebäude der Stadt. Alles wunderschön renoviert und gepflegt. Die gotische Elisabethkirche wurde derzeit renoviert, lockte uns dennoch hinein. Unser netter Stadtführer hatte uns noch einen guten, günstigen Essenstipp gegeben, dort kommt kein Tourist hin...Die Unikantine...Sehr gut! Wir bummelten durch die schöne Altstadt, suchten Zwerge, tranken Kaffee und beobachteten das bunte Treiben auf den gepflegten Plätzen.  

Sehr modern ist das Flussufer der Oder gestaltet. Treppenartig verläuft es um den Fluß herunter und sogar eine Kaskade ergießt sich von oben, durch die die Kinder munter planschten.

Im Johannes-Dom wurde noch die Abendmesse gelesen und wir tranken ein erstes Bier mit traumhaften Blick auf den Dom. Am Abend werden hier die Gaslaternen von einem Laternen Anzünder angezündet. Es war sommerhell und der Anzünder wird erst sehr spät kommen.

Die beeindruckende Volkshalle von 1913 -der damals erste modernistische Stahlbetonbau der Welt, lockte uns am nächsten Morgen. Hier befindet sich der Markt. Zu meinem Erstaunen der Blumen Markt! Die Floristik faszinierte mich natürlich. Da ist noch echtes Handwerk angesagt. Das Frühstück war etwas spartanisch, der Kaffee liebevoll aufgeschäumt und mit Blumen Muster dekoriert.

Do widzenia, Wroclaw, auf Wiedersehen Breslau…weiter ging es in die Kohleregion Richtung Kattowitz/Rubnik. Aus dieser Region kam Lotti, Kurt's Stiefmutter. Im 2. Weltkrieg mussten sie mit den Eltern und Geschwistern aus der Kohleregion flüchten und sind in Dinslaken Lohberg gelandet. Ihr Heimatort liegt gar nicht weit von Auschwitz entfernt. Darüber hat sie nie gesprochen.

Am Abend erreichten wir den Parkplatz direkt am Lager, denn für den nächsten Morgen hatte ich eine große Besichtigungstour durch Auschwitz und Birkenau gebucht.

1940 legten die Nazis in der Ortschaft Oswiecim das berüchtigte Lager Auschwitz an und 1942 das Nebengeräusche Birkenau. Dieses größte Konzentrationslager in Polen diente zugleich der Vernichtung Ihrer Insassen. In Auschwitz und Birkenau kamen über 1,5 Millionen Menschen ums Leben, vor allem Juden aus Polen und Mitteleuropa. Die zweitgrößte Gruppe der Todgeweihten waren Polen.

Die Führung durch beide Lager dauerte fast 5 Stunden. Es ist unfassbar, was Menschen anderen zufügen können. 

Ein wirkliches Mahnmal! Nie, nie wieder!

Die Weiterfahrt verlief sehr ruhig, wir sprachen fast kein Wort. 

Unser Ziel war Niedzica am Dunajec Stausee. Ein wunderschön gelegener Campingplatz mit sehr guter Gastronomie. Hier wollten wir ein paar Tage bleiben, um uns vom Schrecken des Auschwitz-Birkenau Besuches zu erholen.

In der internationalen sechs-Punkte-Skala der Gebirgsflüsse hat sich der Dunajec drei Punkte verdient. Sein schäumender Lauf zwängt sich durch enge Granitfelsen und bildet malerische Durchbrüche. Wenn er will, kann er mancherorts auch recht sanft sein, aber vornehmlich will er's eben nicht und braust wütend durch die malerische Berglandschaft.  Der Dunajec-Fluss hat ein tiefes Tal in das Pieniny-Gebirge geschnitten: Bis zu 300 Meter erheben sich die Felswände fast senkrecht zu beiden Seiten des Flusses. Majestätisch präsentieren sich die "Drei Kronen", die höchsten Gipfel des Gebirges. Das Dunajec-Tal zählt zu den schönsten Durchbruchstälern Europas.

Eine verrückte Floßfahrt wird hier angeboten. Jeweils zwei Bergbewohner, Goralen genannt, steuern mit Hilfe von langen Stangen ihre Flöße über den Dunajec, folgen vielen Windungen und weichen den Stromschnellen geschickt aus. Von Ende April/Anfang Mai bis Oktober leiten sie Floßfahrten und erzählen dabei Legenden, leider auf polnisch, wir haben nichts verstanden aber die Fahrt war wirklich toll und die mehrere Hundert Meter hohen Felswändeboten boten atemberaubende Blicke. Startpunkt war Sromowce Wyzne und es endete in Kroscienko.

Die Landschaft hier am Dunajec ist so schön, da möchte man gar nicht wieder weiter fahren, gut, dass wir für hier 3 Tage eingeplant hatten. Unsere Fahrradtour führte uns entlang des Dunajec, wo wir gestern noch mit dem Floß unterwegs waren und am nächsten Tag in die andere Richtung zur Burg von Niedzica, die hoch über dem Stausee thront.

Ein wenig wehmütig verliessen wir diesen schönen Ort, denn Krakau lockte uns jetzt. Ein Stopp bei der Stabkirche in Debno, denn die Kirche liegt direkt an der Strasse, war angesagt. Die Kirche gehört zu den sechs wertvollsten Kirchenbauten im Karpatenvorland und gehört seit 2003 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Und sie ist einen Besuch wert.

Die Pfarrkirche St. Erzengel Michael entstand 1490, der Turm wurde 1601 gebaut. Ihre Entstehung wird mit den Aktivitäten der Zisterzienser in Ludźmierz verknüpft, eine glaubwürdige urkundliche Erwähnung der Kirche stammt jedoch erst von 1335. Die Innenwände schmücken einmalige Malereien aus dem 15. und 16. Jh. mit streifenartig angeordneten geometrischen und pflanzlichen Motiven. Das Innere der Kirche birgt das spätgotische Triptychon im Hauptaltar vom Anfang des 16. Jh., ein historisches Kreuz von 1380, ein unikales Xylophon aus dem 15. Jh. und ein Tabernakel vom Anfang des 14. Jh.

Die Straße bei Novy Targ war eine einzige riesengroße Baustelle. Mit EU-Fördergeldern werden großzügig Brücken und Kreisverkehre angelegt. Es zieht sich sehr lange hin, bis wir in Krakau am Camping Smok ankommen, ein wenig Abwechslung boten die großen Plakate an den Straßen, die chirurgische Eingriffe bewerben.

Der Campingplatz Smok in Krakau hat 2 Ebenen. Die Obere hat den Vorteil, dass die Sanitäranlagen dort sind, war aber für unser Reisemobil etwas eng. Die Fläche unten ist sehr großzügig und für uns reserviert, da hier auch das Seabridge treffen mit den anderen Teilnehmern stattfinden wird.

Mit dem Fahrrad radelten wir über den Deich in die Stadt. Unser erstes Ziel ist der Wawel-Hügel auf dem sich das Wawel-Schloss befindet. Jeden Krakau Besucher zieht er fast magisch an, denn hier kann man tief in die Geschichte eintauchen.

Das Machtzentrum der Region liegt hoch über der Weichsel. Nach mythischen Überlieferungen soll der Stadt Gründer Krak bereits auf dem Wawel-Hügel residiert haben. Hier soll auch der fürchterliche Drache Smok in einer unterirdischen Höhle gehaust haben und den Bewohnern das Leben zur Hölle gemacht haben. Die ersten Gebäude stammen aus dem 9.JH. als Krakau in das Herrschaft Gebiet der Piasten eingegliedert wurde. Damit wurde der Wawel-Hügel zum Mittelpunkt herzoglicher und kirchlicher Macht. Mit der Gründung des Krakauer Bistums wurde um 1000 die Kathedrale errichtet. 

Ein breiter Weg führt vom Flussufer hoch in die Burg Anlage. Der Ausblick auf die Weichsel ist von hier oben wunderschön. Ein idealer Ort für eine Burganlage, kann man doch die Feinde schon von weitem erkennen.

Eine spontane Besichtigung ist nicht so einfach. Wir trafen ein amerikanisches Ehepaar, sie hatten online die Karten gekauft und haben die Zeiten der Führungen zugeteilt bekommen. Wenn das Tageskontingent verkauft ist hat man Null Chancen. Wir beschränkten uns auf die imposante Außenanlage und die Kathedrale. Die Kathedrale gliedert sich gut in die Burganlage ein. Das goldene Dach und der Kirchturm weisen auf die Kirche hin.

Wir kauften Eintrittskarten für die Kathedrale, sie ist die wichtigste Kirche und das Heiligtum der polnischen Katholiken. Neben nahezu allen polnischen Königen haben in den kunstvollen, Kapellen auch polnische Nationalhelden und Künstler ihre letzte Ruhestätte gefunden. Im Innern des Domes merkt man sofort, dass er zu den bemerkenswertesten Gotteshäusern der Welt zählt.

Ein starkes Gewitter beendete unseren ersten Besuch in Krakau. Am nächsten Morgen strahlte der Himmel wieder in herrlichem Blau. Wir radelten wieder entlang der Weichsel zum Rynek, dem schönsten Marktplatz der Welt. Der weltweit größte mittelalterliche Platz gilt als magisch, in seiner Gestalt als unerreicht und einzigartig. Von diesen Superlativen sind nicht nur die Krakauer überzeugt.

Überragt wird der Rynek von der imposanten Marienkirche, von der stündlich ein Trompetensignal ertönt.

Die gotische Kirche mit den unterschiedlichen Türmen birgt einen prachtvollen Hochaltar, der von Veit Stoß gestaltet wurde. Dieses herrliche Denkmal mittelalterlicher Schnitzkunst erweckt seit Jahrhunderten unabänderlich Bewunderung. Er ist der größte Altar Europas. Wirklich sehenswert!

Zurück auf dem Rynek wurde uns die vielbeschriebene Magie Krakaus spürbar. Die Atmosphäre war unbeschreiblich, die allgegenwärtigen Tauben wurden gefüttert, umsorgt und nicht vertrieben. Einer Stadtlegende zufolge lieh sich Prinz Probos Gold von einer Hexe, gab es ihr aber später nicht zurück. Aus Rache verzauberte sie alle seine Ritter in Tauben. Und mit etwas Phantasie sehen die grauen Vögel wirklich etwas ritterlicher und edler aus auf diesem Marktplatz. In der Mitte des Marktplatzes ziehen die formvollendeten Tuchhallen mit den langen Arkaden die Blicke auf sich.

Schon im frühen Mittelalter boten Händler Lebensmittel und natürlich Stoffe und Tücher feil. Verantwortlich für das Renaissance-Meisterwerk war Giovanni Maria Padovano (1493-1574). Bemerkenswert sind die Fratzen an den Säulen der Arkaden. Der Florentiner Santi Gucci hat sich zu den zickigen Fratzen durch die Gesichter der damaligen Magistratsmitglieder inspirieren lassen. In den Arkadengängen kann man herrlich flanieren, in einem Café dem Treiben zuschauen oder durch die vielfältigen Souvenirs stöbern.

Wir schlenderten zum Florianstor, das Haupttor der damaligen Stadtmauer. Das Dach des Turms ist barocken Ursprungs, im 1.Sockel befindet sich eine Kapelle, die Fassade wird von einem Relief des Hl.Florian geschmückt.

Die barocke Piaristenkirche wirkt wie ein kleiner weißer Fremdkörper inmitten der umgebenden Häuser. Im Innern begeistern die vielfarbigen Wandmalereien mit ihrer vollendeten Perspektive, die die Kirche wesentlich größer erscheinen lässt.

Wir folgten einem Geheimtipp des WDR und finden 2 freie Plätze im Café Camelot in der Swietego Tomasza 17!

Im Camelot knarren die Dielen, hölzerne Figuren blicken von Regalen, schiefe Bilder hängen an den Wänden....Was aufgetischt wird schmeckt ausgezeichnet. Ein weiteres Sommer Gewitter zwang uns zu einem längeren Aufenthalt, den wir sehr genossen.

Zurück auf dem Rynek vor dem Rathausturm kletterte Kurt in die begehbare Bronzestatue, ein großer liegender Kopf, den der polnische Bildhauer Igor Mithras 1999 schuf.

In einer Seitenstraße entdeckten wir ein kleines Bonbongeschäft, in dem in Handarbeit süße Leckereien hergestellt werden.

Unterhalb des Wawel-Hügel steht der Feuer speiende Drache Smok, der der Legende nach die Stadt tyrannisierte und ihre Jungfrauen verschlang. Dem ratlose König Krak wusste erst ein Schusterjunge zu helfen, der einen so einfachen wie genialen Plan hatte. Ein ausgestopftes Schaf füllte er mit Schwefel und warf es dem Drachen zum Fraß hin. Smok frass die leichte Beute und leidete sofort unter der Wechselwirkung der Füllung mit seinem feurigen Magen. In seiner Not stürzte er sich in die Weichsel und trank so lange, bis er platzte. Fast an jeder Ecke findet man Hinweise auf diese Sage, die mit der glücklichen Vermählung des Schusterjunge mit der Prinzessin endete!

Zurück am Campingplatz trafen allmählich die Teilnehmer unserer geplanten Ukraine-Tour ein. Zuhause hatte ich einen Stadtspaziergang gebucht, bei dem jungen Historiker Wojciech Dzido, den ich im WDR gesehen hatte.

Wir waren sehr gespannt auf den Stadtspaziergang!

Pünktlich um 10.00 Uhr bläst der Turm Bläser von der Marienkirche. Er, der jede Stunde mit einem einfachen, plötzlich abbrechendem Solo ankündigt, wurde im 13. JH. beim Überfall der Tartaren von einem Pfeil im Hals getroffen. Mit einem Winken zeigte er, dass er noch lebt.

Wir trafen mit 21 Teilnehmern Wojciech Dzido auf dem Rynek vor dem Adam-Mickiewicz-Denkmal, dem Treffpunkt der Krakauer. Das Denkmal des polnischen Nationaldichters wurde 1895 erstellt. Es zeigt die 4 Allegorien des Vaterlands, der Tapferkeit, der Wissenschaft und der Poesie.

Wojciech Dzido ist kein Stadtführer, das hatte er mir ausdrücklich gesagt. Er ist Historiker am Goethe Institut und begleitet oft Gäste durch "sein Krakau". Geplant waren 4 Stunden für den Stadtspaziergang. Es wurden 7 Stunden, von denen keine Minute langweilig wurde. 

Die Teilnehmer aus unserer Gruppe kannten sich noch nicht, denn es waren Wohnmobilpaare, die gemeinsam die Ukraine erkunden wollten. Um so mehr begeisterte uns, dass Alle sehr interessiert zuhörten und den Worten von Wojciech folgten.

Wir schlenderten um die Tuchhallen herum zum Rathausturm, der an den „Schiefen Turm von Pisa“ erinnert, ist er doch auch nach einem Sturm um 50 cm geneigt. Von dort ging es zum Florianstor, das am Anfang des 14. Jh. gebaut wurde. Florian, der Schutzpatron der Feuerwehrleute schmückt dieses erhaltene älteste Stadttor Krakaus.

Wir gingen durch das Tor und standen vor dem mächtigen Barbakan.

Das Haupttor der Stadt wurde 1498 gebaut. Die Barbakane war ein wichtiger Stützpunkt zur Abwehr von Feinden. Heute ist sie eines von nur 3 noch bestehenden Bauwerken dieser Art in Europa und dazu das am Besten erhaltene.

Wojciech führte uns über den Stadtring zum Grunwald-Denkmal. Es erinnert an die Schlacht bei Tannenberg die am 15. Juli 1410 im Ordensland Preußen stattfand. Hier erreichte der kriegerische Konflikt des Deutschen Ordens gegen das Königreich Polens seinen Höhepunkt. Der Sieg Polen-Litauens führte zur europäischen Großmacht. Die Schlacht bei Grunwald gilt als größte Schlacht zwischen mittelalterlichen Ritterheeren und gehört zum Nationalmythos Polens und Litauens. Irgendwie ist Wojciech stolz auf dieses

Denkmal.

Zurück bummelten wir durchs Florianstor über die Florianska, bogen in die Tomasa Straße ab und kamen an einem riesigen Wohnkomplex an. Hier hat er eine Zeit lang gewohnt. Es ist eine Stadt in der Stadt. Keine Ahnung, wieviel Wohnungen dort zu mieten sind. Gebannt fotografierten wir dieses barocke 6 stöckige Gebäude, das von vielen Säulen flankiert wird.

Wir verließen die Altstadt und erreichten den „Neuen jüdischen Friedhof“, der versteckt hinter einer Bahnlinie liegt. Einige orthodoxe Juden in typischer Kleidung kreuzen unseren Weg. Er wurde 1800 angelegt, sehr viele alte und auch neue Grabsteine die neben dem Naziterror auch weiterhin eine aktive jüdische Gemeinde wiederspiegeln. Ein Ort der Ruhe mit verwirrenden Grabsteinreihen und Inschriften in vielen Sprachen.

Und damit tauchten wir ein in die jüdische Geschichte Krakaus. Im Stadtviertel Kazimierz ist das jüdische Leben wieder lebendig, alle Häuser und Ecken erzählen von grausamen Zeiten. 4 Synagogen sind hier zu finden. Die Remuh-, die Isaak-, die Alte und die Hohe Synagoge sind Zeugnisse der jüdischen Kultur, die hier wieder angesiedelt ist. Kazimierz erlebte einige der schlimmsten Episoden des Holocaus und war seit der Gründung im 14.Jh. das Epizentrum der polnischen, jüdischen Kultur.

Auf dem Plac Nowy begegneten wir dem polnischen Fast Food- Zapiekanka, ein Snak, der dem französischen Sandwich vergleichbar ist. Die Hauptzutaten sind Baguette, Champignons, Salami und Käse. Viele geschmackvolle Street-Food Läden halten auf diesem Platz frisch gepresste Getränke und Snacks bereit.

Wojciech führte uns weiter zu einem schönen Biergarten, in dem wir gerne Platz nahmen und eine lange Pause machten. Dann erzählte er, dass genau hier einige Szenen aus dem Film „Schindlers Liste“ gedreht wurden.

Der Biergarten gehört zur Bar Mleczarnia in der Beera Meiselsa, unweit vom Plac Nowy.

Kazimierz ist an einem Scheideweg angekommen. Zum einen leben nur noch wenige Überlebende des Holocaust in dem Stadtteil. Zum anderen kommen Jahr für Jahr Zehntausende von Juden aus aller Welt. Sie besuchen die Heimat und Gräber ihrer Vorfahren. Polen ist das einzige Land der EU mit einer wachsenden jüdischen Gemeinde. 2016 eröffnete schon das 3. Geschäft mit koscheren Lebensmitteln und immer mehr koschere Restaurants sind in Kazimierz zu finden.

Wojciech kann wunderbar erzählen, er arbeitet als Übersetzer auch für das Jüdische Museum und hat etliche Zeitzeugen befragt. Wenn er davon erzählt ist Gänsehaut pur angesagt. Während er über die Geschichte seiner Stadt berichtet, liefen wir gemeinsam weiter zur Katharinen und Pauliner Kirche. Vorbei am Volkskundlichem Museum überquerten wir die Weichsel, um ins ehemalige Ghetto im Stadtteil Podgorze zu gelangen.

Podgorze ist ein Stadtteil mit wechselvoller Geschichte, zunächst ein Arbeiterviertel, wurden die Bewohner umgesiedelt, um hier die jüdische Bevölkerung Krakaus während des Zweiten Weltkriegs hinter Ghettomauern einzusperren.

Bedächtig folgten wir Wojciech bis wir an dem letzten Fragment der Ghettomauer ankommen. Eine Mahntafel in jüdischer und polnischer Sprache hängt an der Mauer.

Sie lebten, litten

und starben  in den Händen von

Hitlers Folterern.

Von hier ging

der letzte Weg zu den

Vernichtungslagern

Wojciech erzählte von seinen Kontakten zu Holocaust-Überlebenden und wir waren alle sprachlos. Noch jetzt, beim Schreiben bekomme ich wieder diese Gänsehaut.

Langsam liefen wir wieder zurück Richtung Altstadt, in der Nähe befindet sich das Museum „Schindlers Fabrik“. Wir müssen noch mal wieder kommen!

Es war ein sehr heißer Sommertag und wir waren fast 7 Stunden mit Wojciech Dzido unterwegs als er uns zum „Platz der Helden des Ghettos“ führte. Hier befand sich der zentrale Eingang des Ghettos und der sogenannte Umschlagplatz, von dem aus die SS Juden in die Konzentrationslager verschleppten. Eine Installation aus 33 großen und 37 kleineren Stühlen, die in geometrischer Ordnung aufgereiht sind repräsentiert die Möbelstücke, die nach der Liquidation des Ghettos einsam auf dem Platz standen.

Nach all den schrecklichen Geschichten lassen wir uns berieseln von feinem Wasserdampf, der von oben aus installierten Brunnen Abkühlung verschafft. Beim 2. Blick erinnerten diese Wasserstelen mit ihrem feinen Dampf an grausige Bilder in Ausschwitz…..

Langsam liefen wir gemeinsam in die Altstadt zurück, beeindruckt von diesem langen, wunderbaren Stadtspaziergang, begleitet von den interessanten Geschichten von Wojciech Dzido, den wir nur empfehlen können!

Krakau ist eine traumhafte Stadt mit einer schrecklichen Vergangenheit, die auf Schritt und Tritt sichtbar ist und bleiben muss. Gleichzeitig ist es so modern und weltoffen, wir waren alle restlos begeistert.

Und wir kommen garantiert wieder!