Il Classico

Mailand San Remo in zehn Tagen – nicht mit dem Fahrrad, sondern mit Ewald , Marianne und Silvia

Eindrücke einer „Ersttäterin“ im Carthago-Kreis

Donnerstag, 4.Mai 2017

Wir treffen wie gefordert kurz nach 14:00 Uhr auf dem vereinbarten Platz bei Tortona ein und werden von Ewald in gewohnt fürsorglicher Weise bereits an der Straßeneinmündung winkend empfangen.
Auf dem großen Parkplatz stehen schon einige Fahrzeuge auf den sorgfältig eingezeichneten Standplätzen wie auf Perlenschnüren aufgereiht. Jetzt ist Zeit für eine erste Begrüßungsrunde, wer ist wer, wo kommt er her und wie ist er hier ans Ziel gekommen. Dabei zeigt sich, dass unter WoMo-Fahrern eben doch der Weg das Ziel ist. Fast im Minutentakt trudeln dann die nächsten ein, bis um ca. 16:30 Uhr die Wagenburg der Fahrzeuge geschlossen ist. Zu diesem Zeitpunkt hat uns das Wetter aber alle schon in die Fahrzeuge gezwungen.
Aber zum Abendessen kommen wir fast trockenen Fußes ins Restaurant des Country Hotels „Il Carrettino“, einem ehemaligen Landgut. Unser Speisesaal ist fürstlich eingedeckt und macht mit den runden Tischgruppen und den weißen Stuhlhussen eher den Eindruck eines „Käptn`Dinners als Abendessen auf dem Rasthof. Ewald und Sylvia Morano stimmen uns auf das ein, was uns in den nächsten zehn Tagen hier und an der Blumen-Riviera „blüht“.

Freitag, 5. Mai 2017

Pünktlich zu unserem Ausflug nach Mailand zeigt sich das Wetter von seiner Traumseite – zwar noch etwas Nebel verhangen, aber mit sehr sonnigen Aussichten. Wir haben praktisch keinen Verkehr und kommen deshalb pünktlich in Mailand an. Bei einer kleinen Innerortsumleitung zeigt uns unser Busfahrer, wie man gekonnt mit dem großen Bus auch in der engsten Straße an ungünstig geparkten Autos vorbei kommt. Bravo!
Ein bisschen Shopping-Gucken gehört für Mailand einfach dazu, bevor wir dann die Führung im Dom genießen. Prachtbau außen wie innen, gigantisch in jeder Hinsicht und selbstverständlich faszinierend, wenn man die damaligen Verhältnisse betrachtet, unter denen man entworfen und gebaut hat. Besonders schön ist die Strahlkraft der Fenster, die zum größten Teil im Originalzustand erhalten sind.

Für mich faszinierend ist auch die Planung der Sonnenuhr mit den Sternzeichen. Durch ein kleines Loch in der Domdecke wirft die Sonne um 12 Uhr (oder 13 Uhr – je nach Sommer- oder Winterzeit) punktgenau ihre Strahlen auf eine Linie am Boden, auf der die entsprechenden Sternzeichen angebracht sind – und das alles natürlich in Marmor.

Beeindruckend ist dann aber auch der Blick von oben auf die Stadt, der zum ersten zeigt, welche Ausmaße dieses Bauwerk tatsächlich hat, aber auch einen Blick auf die vielen begrünten Dächer und Balkone frei gibt. Für uns reicht der Blick sogar bis zu den schneebedeckten Bergen der Schweizer Alpen. Einfach herrlich.

Anschließend gönnen wir uns nochmals einen kleinen Spaziergang durch die Galerie mit ihren teuren Geschäften, vorbei an der Trophäe des Giro d´Italia. Auch hier liegt Bodenmosaik aus Marmor, das aber nur von wenigen beachtet wird. Am Ende der Galerie biegen wir bei der Statue von Leonardo Da Vinci links ab und stehen vor der von außen unscheinbaren Mailänder Scala und lassen uns nicht nur vom Blick von den Rängen beeindrucken, sondern auch von der Ausstellung der Musikinstrumente, den Portraits der Musikgrößen und den kleinen Geschichten, die unsere Führerin noch so beisteuert – Opernflair pur.

Auf der Rückfahrt erleben wir dann noch etwas vom Mailänder Normal-Verkehrschaos, können aber auch den Blick auf die Hügellandschaft um Tortona und die kleine Goldstatue, das Wahrzeichen von Tortona, in der Abendsonne genießen, bevor wir dann wieder zum gewohnt hervorragenden Abendessen zusammensitzen.

Samstag, 6. Mai 2017

Wir besichtigen die Anlage des „Agriturismo Il Carretino“ und machen so Bekanntschaft mit den Tieren, deren Fleisch wir in den letzten Tagen genossen haben (Vegetarier hören jetzt besser weg!). Freundlich begrüßt werden wir nicht nur vom Verwalter, sondern auch von einem Esel, der ursprünglich auch einmal für die Wurstproduktion gedacht war, jetzt aber zur Familie gehört. Die Büffel werden in großen Laufställen im Matsch – und damit artgerecht – gehalten und sind uns gegenüber sehr neugierig und aufgeschlossen – wenn die wüssten!! Auch das Futter für die Tiere kommt vom eigenen Hof. Exzellente Qualität ist also gesichert.

Weiter geht es zur kleinen Abtei von Rivalta Scrivia. Die wurde von vier Mönchen auf dem Fundament einer alten Kirche bebaut, klein, fein mit viel Man-power und der nötigen Unterstützung der umliegenden Gemeindemitglieder. Bis dann ein reicher Genueser kam und die Hälfte der Kirche abreißen ließ, um Steine für seinen Palazzo nebenan zu haben. Verrückte Geschichten wohin man blickt.

Ab jetzt meint das Wetter es nicht mehr wirklich gut mit uns, es gießt in Strömen und ist inzwischen empfindlich kalt geworden.

Der Rundgang über den Marktplatz von Alessandria wird deshalb eher zum Arkadengang mit Café-Hopping. In die berühmte Zitadelle von Alessandria dürfen wir aus diesem Grund auch mit dem Bus fahren, da wir sonst vielleicht eher Schwimmflügel gebraucht hätten. Aber dieses Bauwerk ist wirklich beeindruckend. In seinen Dimensionen durchaus vergleichbar mit dem Mailänder Dom, nur dass sich ein großer Teil der Gänge und Gewölbe eben unter der Erde und den Schutzwällen wegduckt und für einen ganz anderen Zweck gebaut wurde. Auch hier besticht wieder die Logistik, mit der die Bauherren entsprechend der Verwendung vorgegangen sind. So wurde das Schießpulver z.B. in Räumen gelagert, die völlig ohne Metall auskommen mussten (Gefahr von Funken!) und die gegen eindringende Feuchtigkeit durch Kohlezwischenwände geschützt waren. Und da die Mannschaften ja auch entsprechend versorgt werden mussten, haben auch die Öfen zum Brotbacken eine beachtliche Größe. Eigentlich Gigantismus wohin man blickt – und wofür?? Aber auch hier hat Napoleon – wie beim Mailänder Dom - kräftig mitgemischt.
Den Abschluss des Programms bildet an diesem Tag die Führung und Verkostung in der Winzergenossenschaft „Torrevilla die Torrazza Coste“, bei der wir aber aufgrund des Regens auch auf eine Außenführung verzichten. Jeder findet hier etwas, das seinem Geschmack entspricht und den Gaumen kitzelt, bevor wir dann wieder zum Gala-Abschluss-Dinner in „Il Carrettino“ eintreffen.

Sonntag, 7. Mai 2017

Zum Abschluss und um für die Fahrt heute gut gerüstet zu sein, werden wir im „Il Carretino“ heute mit einem fürstlichen Frühstücksbuffet bewirtet. Aller erste Sahne. Die Fahrt in handlichen 4-5er Päcken klappt bestens und es bleibt genügend Zeit, für einen Blick auf die Landschaft und immer wieder auch aufs Meer, und alle erreichen wohlbehalten am Mittag „Villaggio dei Fiori“ in Sanremo. Marianne weist ein, Ewald sorgt sich um Stromkümmernisse und wir haben Freizeit, um in der Sonne zu sitzen, aufs Meer zu blicken oder noch eine Runde zu radeln und eine Dusche zu genießen. Wir werden am Abend vom Platzchef begrüßt um können uns dann wieder an einen gut gedeckten Tisch setzen. Bene!

Montag, 8. Mai 2017

Heute reisen wir gleich mit zwei Reiseleiterinnen. Simona entführt uns in Hinterland von Sanremo, genauer ins Roya-Tal. Die Straße dazu schlängelt sich neben dem Fluss wildromantisch in die Höhe, allerdings sehen wir bald nicht mehr wirklich viel, da es ordentlich schüttet. Dafür haben die dicken Brocken des Roten Schiefers, die den Fluss stark verblocken, dadurch eine noch toller Farbe – und außerdem sind Simonas Erläuterungen sehr interessant. Wir wechseln auf die französische Seite der Seealpen – fast problemlos, obwohl unser Busfahrer die Gepäckräume aufmachen muss und ein freundlicher Zöllner in den Bus kommt, um die Gesichtskontrolle durchzuführen – so viel zu den jetzigen Zeiten in Europa.

Zwar sind es vom Bus zur „Sistin-Kapelle Notre-Dame des Fontaines“ nur wenige Schritte, aber wir werden trotzdem alle ordentlich nass. Die Kapelle, die ca. vier Kilometer von Brigue entfernt liegt, ist nicht nur für ihre gut erhaltenen Wandmalereien bekannt, sondern sie steht auch auf sieben Quellen, die wohl heilsame Wirkung haben sollen. So unscheinbar sie von außen wirkt, so leuchtend sind die Farben der Malereien, die trotz oder gerade wegen der geringen Beleuchtung in der Kirche seit dem 12. Jahrhundert eine enorme Strahlkraft haben.

Begeistert sind wir aber auch von der Strahlkraft der Sonne, die uns nach den einstündigen Erläuterungen zu den Kunstwerken draußen vor der Kirche erwartet. Das macht die Weiterfahrt über den Tenda Pass (1.871m) auch wesentlich freundlicher. Wir werden zuerst im „Grand Hotel Principale“ in Limone Piemonte zum Kaffee empfangen, genießen den von Silvia mitgebrachten Kuchen und werfen einen Blick auf das älteste Skigebiet Italiens, das die Küstenbewohner und einiger Prominente gerne besuchen. So gestärkt machen wir uns auf zum kleinen Spaziergang ins Dorf, das sich seinen dörflichen Charme erhalten hat. Ein kleiner Abstecher in den neu gebauten Verkaufsraum der Schokoladen-Fabrik „Vechi“ rundet das Besuchsprogramm ab und wir können jetzt auf der Rückfahrt durch das Tal auch die Sonnenseiten der Berghänge genießen.

Dienstag, 9. Mai 2017

Markttag in Sanremo und „Freier Tag“ für die Gruppe. Das Wetter ist herrlich, wir können das Frühstück draußen genießen und radeln und schwimmen – jeder nach seiner Façon. Am Nachmittag legt sich Silvia mächtig ins Zeug – sie organisiert einen Profi-Kurs mit Arico im Arrangieren von Blumen. Die Teilnehmer/innen geben ebenfalls ihr Bestes, so dass am Ende tolle Gestecke entstanden sind, die nicht nur die Tische für das Abendessen, sondern für die nächsten Tage auch unsere Wohnmobile schmücken werden. Der Abend klingt mit „Bingo“ aus.

Mittwoch, 10. Mai 2017

Heute wollen wir Monaco unsicher machen, aber – anstatt die Spielbank zu sprengen – biegen wir gleich zum Ozeanischen Museum ab. Dieser Palastbau, direkt über dem Meer gebaut und damit über den „Keller“ auch mit direktem Zugang zum Meer, z.B. für die „Yellow Submarine“ von Jacques Cousteau, wurde von Prinz Albert I. zu Beginn des vorigen Jahrhunderts erbaut. Er wollte damit nicht nur die Wissenschaft über die Ozeane unterstützen und fördern, sondern auch die Kunst, was durch wechselnde Kunstausstellungen im und vor dem Palast geschieht. Die großen Bassins im Gebäude entführen uns in eine faszinierende Unterwasserwelt und die Exponate aus dem vergangenen Jahrhundert zeigen, welche Pioniere der Meeresforschung hier am Werk waren.

Silvia führt uns zur Kathedrale, dann zielgenau zur Wachablösung vor dem Prinzenpalast – Tschingderassabum, das man mögen muss – und begleitet uns auch bei einem kleinen Stadtrundgang und durch den „Jardin de Martin“ zurück zum Ozeanischen Museum und weiter zum Hafen. Überall ergeben sich tolle Aus- und Einblicke.

Dann aber legt unser Busfahrer auf der Rennstrecke aus der Pool-Position einen Superstart hin, bevor er Richtung Nizza abbiegt, um uns zur „Villa Ephrussi de Rothschild“ zu bringen. Hier hat Beatrice de Rothschild gezeigt, wie die „Schönen und Reichen“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit viel Phantasie, genügend Geld und einer großen Sammlerleidenschaft einen phantastischen Garten einschließlich Musik unterstützter Wasserspiele gestalten und ein „kleines Einfamilienhäuschen“ in bester Wohnlage wohnlich einrichten. Sehenswert!

Donnerstag, 11. Mai 2017

Wir verlassen Sanremo heute in östlicher Richtung und dümpeln der Riviera entlang über viele kleine Küstenorte und Imperia nach Cervo. Der kleine Ort hängt als „Adlernestdorf“ am Berghang über dem Meer, überragt von einer innen wie außen imposanten Kirche. Die kleinen verwinkelten Gässchen, liebevoll bepflanzte Blumentöpfe und überbordende Bougenvillea-Hecken verleihen dem Ort einen besonderen Charme. Bei strahlendem Sonnenschein schmeckt dann auch der kurze Kaffee auf einer der kleinen Terrassen über dem Meer und lassen den Blick fast bis Korsika schweifen. Einen ähnlichen Blick genießen wir kurz darauf von der neu gestalteten Dachterrasse des Hotels „Lido“ in Finale Ligure. Aber dort wartet auf uns außerdem ein feiner Imbiss mit Foccia, Zucchini-Eierpfannkuchen, Speck-Brötchen und Wein. Zum anschließenden Kaffee werden wir in die Strand-Bar eingeladen und können dort noch einen kleinen Spaziergang machen oder auf den Liegen in der Sonne ausruhen – also einfach Urlaub pur. Anschließend fahren wir noch ein Stück der Küste entlang – links die teilweise überhängenden Felswände, rechts das tosende Meer – und auf dem Rückweg andersrum. Nächstes Ziel ist Lido Finalbogo, einer dieser kleinen Orte, an denen man ohne qualifizierte Führung unter Umständen leicht vorbeifahren würde.

Aber wir werden von Simona charmant durch eines der vier Stadttore geführt, werfen einen Blick in das ehemalige Kloster, das auch schon als Frauengefängnis genutzt wurde und heute ein Tagungshaus ist und das Archäologische Museum beherbergt. Am Ende eines kleinen Stadtrundgangs erläutert Simona noch die prunkvolle Ausgestaltung der Kirche, in der Marianne und Gerda einen kleinen Gruß vom Carthago-Kreis im Gästebuch hinterlassen, bevor es dann Zeit zur Rückfahrt wird.

Freitag, 12. Mai 2017

Heute geht es in die andere Richtung und damit wieder über die Grenze nach Frankreich. Wir fahren vorbei an Nizza und steigen im Hafen von Antibes aus. Vor uns liegen imposante Segel- und Motoryachten, aber die wirklich großen, d.h. die über 70 Meter langen Yachten müssen „leider“ etwas vor der Mauer parken. Der Stadtmauer entlang gehen wir wenige Schritte nach oben zum ehemaligen Grimaldi-Palast, in dem heute das Picasso-Museum seinen Sitz hat. In der kleinen Sandbucht davor hat der Künstler wohl gerne gesessen und sich inspirieren lassen und dem Palast viele seiner Gemälde und Zeichnungen hinterlassen. Wieder erläutert Simona die Exponate professionell und einfühlsam. Dann bleibt Zeit für einen Gang durch die Markthalle mit ihren farbenfrohen Angeboten und einen kleinen Stadtrundgang.

Nach einer kurzen Fahrt zum Hafen von Cannes, setzen wir mit dem Schiff zur „ Île Saint Honorat“ über. Da den Mönchen das „ora et labora“ nicht gegen die Angriffe der Seeräuber geholfen hat, mussten sie die Festung Monastèr bauen, um ihre Abtei de Lérins und die schlichte Kirche gegen die offene See hin abzusichern - auch für uns heute noch ein toller Aussichtspunkt.Die Rückfahrt über die Autobahn dauert wegen eines Unfalls etwas länger, aber unser souveräner Busfahrer Francesco meister die Sache perfekt, schlängelt sich gekonnt durch die Engstelle von gefühlten 25 Spuren nach der Mautstelle zu den drei regulären Spuren und bringt uns sicher zum Platz zurück. Auch für ihn ein dickes Lob. Der Abend endet mit einem abgedunkelten Speisesaal – nein, nicht wegen der früher für Italien vielleicht üblichen zu geringen Stromabsicherung, sondern als Bühne für den Funken sprühenden „Cosciotto di maiale“, perfekt serviert vom Chef-Kellner und tranchiert von den beiden Köchen. Molto bene!

Samstag, 13. Mai 2017

Strahlende Sonne zum Frühstück, dazu den Ausblick auf einen 5-Master vor der Bucht von Sanremo, was will man mehr für einen freien Tag. Also wieder jeder wie er möchte – Schwimmen, Radfahren, Marktbesuch und am Nachmittag Zeit für gemütliche kleine Gesprächsrunden vor den Mobilen. Dabei ist auch Zeit, die Woche etwas Revue passieren zu lassen und zu erfassen, was für ein tolles Programm uns in den letzten zehn Tagen von Silvia, Ewald und Marianne geboten wurde. Am Abend verabschiedet sich der Chef des Villaggio dei Fiori mit kleinen, feinen Geschenke für alle Damen, außerdem gibt es viele Dankesworte von und bei allen Beteiligten und nach dem Essen Live-Musik zum Tanzen. Ein gelungener Abschlussabend.

Sonntag, 14. Mai 2017

Heute ist unsere kleine Gemeinschaft zweigeteilt – in die, die noch bleiben und die Sonne hier weiterhin genießen, und die, die abreisen.
Schöne Tage für die, die bleiben und gute Fahrt für die Reisenden.

ENDE

Marion Schaal